Die Weinbergschnecke, die Farben so sehr liebte

Die Weinbergschnecke, eine bunte, handgezeichnete Schnecke.
Die Weinbergschnecke, die Farben so sehr liebte.

Den Winter 2018/19 verbrachte ich im Ort meiner Kindheit und in der Abgeschiedenheit begann ich, täglich zu schreiben. Es ist gleichzeitig meine Therapie, mit dem umzugehen, was in meinem bisherigen Leben geschah. Wie nebenbei entstand ein Buchentwurf, ein paar andere Texte und das Märchen „Die Weinbergschnecke, die Farben so sehr liebte”.

Um mich technisch auf den aktuellen Stand zu bringen, produzierte ich aus einem ebenfalls entstandenen Märchen ein Booklet, welches ich bei BoD veröffentliche. Es kann sowohl in gedruckter Form als auch als eBook erworben werden. Es ist gleichzeitig ein kleiner Vorgeschmack auf das in Bearbeitung befindliche Buch.

Leseprobe: Die Weinbergschnecke, …

Es war einmal eine Weinbergschnecke. Sie lebte auf einer Weinterrasse. Von dieser Terrasse aus hatte sie einen wunderbaren Ausblick über ein Flusstal. Jetzt, im Frühling, liebte sie diesen Ausblick ganz besonders. Den ganzen Winter über hatte sie zurückgezogen in ihrem Schneckenhaus verbracht. Abgekapselt von der Aussenwelt und in einem Dämmerschlaf verbrachte sie die Zeit. 
Sie genoss es, sich endlich wieder bewegen zu können und die Fühler in die frische Frühlingsluft zu strecken. Ihre Augen konnten sich nicht satt sehen an den Frühlingsfarben. Erst kam ein zartes Grün zum Vorschein. Dann blühten ganz viele gelbe Blumen. Danach wurde es so richtig bunt: Violett, rot, lila, orange, … Die Schnecke liebte das Farbenspiel, reckte die Augen nach links, nach rechts, nach vorne, nach oben. 
Wie gut, dass sie sich so langsam bewegte und jeden farbenfrohen Augenblick geniessen konnte! Andere Tiere machten sich gerne über das Schneckentempo lustig. Die verstanden einfach gar nichts von Ruhe und Gelassenheit. Die Schnecke liess sie lachen und kümmerte sich nicht weiter darum.
Das Einzige, was sie traurig stimmte, das war der Blick nach hinten. Der Blick auf ihr Häuschen. Das war langweilig erdbraun und wenn es nicht so praktisch wäre, das eigene Haus bei sich zu haben, dann wäre sie längst Nacktschnecke geworden. Die Schnecke vermied es also, so gut es ging, nach hinten zu schauen und stellte sich vor, ihr Häuschen wäre bunt wie ein Regenbogen. So liess es sich gleich viel besser ertragen.

Auszug aus dem Booklet „Die Weinbergschnecke, die Farben so sehr liebte“

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