Plötzlich in Dürnstein

In den letzten fünf Jahren hat sich bei mir viel getan. Und gleichzeitig hat sich nichts getan. Ich fühlte mich, als würde ich in Treibsand stecken. Je mehr ich mich bewegte, desto tiefer sank ich ein. Je tiefer ich einsank, umso mehr Kräfte mobilisierte ich, um mich endlich zu befreien. Der Kopf hatte sich in einer Endlosschleife festgefressen, alles durchprobiert. Erfolglos.

Als ich dachte, dass ich nun endgültig versinken würde, setzte sich endlich mein Herz durch und übernahm die Führung. Innerhalb von Tagen packte ich völlig unvorbereitet meine 7 Sachen und übersiedelte nach Dürnstein. An dem Tag, an dem ich ursprünglich übersiedeln wollte, war ich bereits den zweiten Tag an der neuen Adresse. Was ist Zeit …?

Zwei Wochen später fühle ich mich immer noch irgendwie hergebeamt. Doch das Herz ist glücklich mit dieser Entscheidung und der Kopf hat eine völlig neue Perspektive vor sich. Langsam lichten sich die Nebel und was so lange nicht geklärt werden konnte, fällt plötzlich wie von selbst an die passende Stelle.

Lange Zeit meines Lebens war ich fest im Kopf verankert und hatte mich da sicher gefühlt. In den letzten fünf Jahren hat mein Herz immer heftiger an den Gitterstäben gerüttelt, hinter denen es der Kopf sicher verwahrt hatte. Es hat sich auf heftige Diskussionen mit dem Kopf eingelassen und mich in grosse Unruhe versetzt. Immer öfter fühlten Kopfentscheidungen sich falsch an, waren schwer oder gar nicht umzusetzen.

Einfach der Sonne beim Untergehen zusehen …

Einfach der Sonne beim Untergehen zusehen …

Badaboom – ich bin in Dürnstein!

Was das Herz wollte, schien so unerreichbar. Es passte so gar nicht zu dem, wo ich mich befand. Und überhaupt, warum sollte ich Errungenschaften der letzten Jahrzehnte einfach aufgeben? Während der Kopf noch verzweifelt im Kreis lief, fand das Herz den passenden Moment, übernahm die Führung und „Badaboom” – schon war ich in Dürnstein.

Der Kontrast zu meinem Wohnort der letzten Jahre könnte nicht grösser sein! Nur ein paar Kilometer Entfernung und ich fühle mich wie in Griechenland! Sonnig, pittoresk, Souvenirläden, Wege, die zu schmal sind, um sie mit dem Auto zu befahren, Menschen aus aller Herren Länder in Urlaubsstimmung.

Der Treibsand ist weg. Ich fange an zu leben, ich fange an, mich zu bewegen. Jede Bewegung fühlt sich plötzlich so leicht an. Der Kopf hat aufgehört, am Stand durchzudrehen. Langsam kommt er zur Ruhe, fasst ganz neue Gedanken und Ideen. Plötzlich mache ich Dinge, die ich teilweise seit Jahren nicht mehr gemacht habe obwohl ich sie liebe. Es sind Kleinigkeiten, wie Abends still da sitzen und der Sonne beim Untergehen zusehen. Ein Gemüsebeet anlegen. Mich für eine halbe Stunde einfach in die Sonne legen. Oder mir den Laptop schnappen um eine Kurzgeschichte zu schreiben.

Ich bin neugierig, wo mich mein Herz weiter hin führt. Oder, wie es eine Freundin von mir formuliert: „Was ist jetzt noch alles möglich? Wie kann’s jetzt noch besser werden?“

Kommentare sind geschlossen