Erden, aber richtig!

„Sich erden“ ist in Kreisen bewusster Menschen ein geflügeltes Wort. Oft ist damit gemeint, sich mit beiden Beinen fest auf den Boden zu stellen und sich vorzustellen, dass man sich mit Mutter Erde verbindet. Geht immer und überall, der Geist ist stark. Klar erdet auch ein Spaziergang in freier Natur oder einen Baum umarmen. Aber das braucht schon ein bisschen Zeit und besagte Natur nach Möglichkeit mit Baum.

Bis vor wenigen Tagen hab ich mich – bewusst – genau so geerdet. Unbewusst habe ich mich aber tatsächlich geerdet. Begonnen hat es vor einem Jahr, als ich plötzlich das dringende Bedürfnis hatte, barfuss spazieren zu gehen. Schon davor hatte ich mir spezielle Schuhe gekauft in der jede Zehe einzeln umhüllt wird und die eine besonders dünne Sohle – aus Kunststoff – haben. Damit sollte barfuss laufen möglichst naturnahe möglich sein. Ich mag die Schuhe immer noch, aber wirklich barfuss ist es trotzdem nicht.

Also voriges Jahr dann echtes Barfusslaufen. Am Anfang sehr langsam. Jeder Schritt wollte überlegt sein, die Fusssohlen kriegten sich gar nicht mehr ein vor lauter sensationellen Empfindungen. Kalt, nass, heiss, spitz, scharf, weich, autsch! Nach und nach lernte ich, auf nackten Fußsohlen vorwärts zu kommen. Besonders gern mochte ich taunasses Gras. Selbst in den Herbst hinein, als es schon kühl wurde, mochte ich nasses Gras zwischen den Zehen am allerliebsten.

Erden durch Barfusslaufen auf nassem Sand.

Feuchter Sand ist nicht nur zum Erden gut, sondern fordert auch die Fussmuskulatur heraus.

Eine Freundin gab mir den Tip, dass man Kälte besser aushält, wenn man etwas um die Knöchel trägt, also trug ich zu weit gewordene Pulswärmer um die Knöchel und tatsächlich liess sich die Barfusssaison noch verlängern. Irgendwann war es mir aber dann doch zu kalt und widerwillig steckte ich meine Füsse wieder in Socken und Schuhe. Heuer im Frühjahr konnte ich es gar nicht mehr erwarten, bis ich meine Füsse endlich wieder befreien konnte.

Da war doch noch ein Buch …

Vor ein paar Tagen fiel mir das Buch „Earthing – Heilendes Erden“ in die Hände. Eigentlich stand es schon die längste Zeit ungelesen im Bücherregal, aber offensichtlich war ich erst jetzt bereit für die Botschaft: In diesem Buch geht es um richtiges Erden, nämlich den direkten Kontakt von Fusssohle mit Erdboden im Freien. Diese Form des Erdens hat messbare Auswirkungen auf unseren Körper.

Naturvölker und im freien lebende Tiere sind permanent geerdet, doch der zivilisierte Mensch, industriell gehaltene Nutztiere und auch unsere Haustiere haben nur mehr ganz selten direkten Erdkontakt. Wenn wir Menschen in freier Natur sind, packen wir unsere Füsse die meiste Zeit über in gut isolierende Schuhe. Kaum jemand hat noch Ledersohlen, die Erdkontakt ermöglichen würden, an den Füssen. Es sind Kunststoffsohlen, praktisch, wasserdicht, elastisch, anpassungsfähig und – nicht leitend.

Mit nackten Füssen im (Meer)wasser waten ist perfekt zum Erden.

Wasser hat eine hohe Leitfähigkeit. Salzwasser wäre noch besser zum Erden, ist aber gerade nicht in erreichbarer Nähe.

Die Auswirkungen lassen sich knapp mit „typische Zivilisationskrankheiten“ zusammenfassen. Jeder Körper reagiert individuell, doch die Ursache ist mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Entzündung. Und Entzündungen kann man mit Erdung unterbinden. Das ist pure Physik, kein „Eso-Zauber“. Im schon erwähnten Buch gibt es eine ganze Reihe unglaublich scheinender Erfolgsgeschichten: Krankheiten die verschwanden oder zumindest erträglicher wurden, wenn sie bereits zu weit fortgeschritten waren. Massiv verbesserte Regenerationszeiten von Sportlern. Beschleunigte Wundheilung.

Kabel-TV-Techniker in der Sinnkrise

Clinton Ober, Co-Autor und Entwickler der Earthing-Methode kommt aus der Kabelfernsehbranche, hatte einen gesundheitlichen Einbruch und machte sich daraufhin auf die Suche nach seiner Berufung. Der Zu-Fall liess ihn das Erden entdecken. Als er am eigenen Leib die Auswirkungen erlebte, war er so begeistert davon, dass er sein Wissen verbreiten wollte. Es wurde ein langer Weg, da ihm die kontaktierten Mediziner nicht zuhören wollten, solange es keine „Studien“ gab.

Inzwischen gibt es jede Menge beeindruckender Studienergebnisse und Erfahrungsberichte. Aus einer ganzen Reihe von Prototypen wurden inzwischen alltagstaugliche Produkte entwickelt, mit denen man sich bequem im Schlaf oder am Computer sitzend erden kann. Besonders in Gegenden, in denen es eine echte Herausforderung sein kann, täglich barfuss im Freien herumzulaufen, sind diese Hilfsmittel ein Gewinn. Ausserdem lässt sich damit auch die Erdungsdauer massiv erhöhen. Unsere Vorfahren waren schliesslich 24 Stunden täglich geerdet, der halbstündige Spaziergang am Tag ist absolutes Minimum.

Tiere spüren, was gut tut: Erden

In dem Buch ist übrigens auch ein Fallbericht erwähnt, bei dem Hunde die Möglichkeit haben, auf einer Erdungsmatte zu liegen. Sie nehmen das Angebot gerne an und ziehen die Erdungsmatte anderen Liegeplätzen vor. Meine erste Irish Wolfhound Hündin liebte es, sich morgens im nassen Gras zu wälzen und ich fand das immer nur amüsant. Heute denke ich, vielleicht wusste Enya ganz genau, wie man sich erdet. Sie erreichte auch ein überdurchschnittliches Alter. Zufall?

Mich fasziniert das Thema sehr und ich werde mich weiter, nun ganz bewusst erden. Auf der Wunschliste ganz oben steht nun eine Erdungsmatte, um eigene Erfahrungen damit zu machen. Denn: Der nächste Winter kommt bestimmt und diesmal bekommen meine Füsse auch in der kalten Jahreszeit ihren Erdkontakt. Versprochen!

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